RICHARD BOORBERG VERLAG

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07.12.2018
FG Baden-Württemberg, Urteil vom 07.12.2018, 13 K 289/17)

Kurzzeitige Vermietung der Wohnung vor Verkauf ist steuerlich unbeachtlich

  

Der Gewinn aus dem Verkauf einer Eigentumswohnung, die der Eigentümer einige Jahre selbst genutzt hat, ist auch dann steuerfrei, wenn die Wohnung vor dem Verkauf kurzzeitig vermietet war.

Ein Mann hatte im Jahr 2006 eine Eigentumswohnung erworben und bis April 2014 durchgehend selbst bewohnt. In der Zeit von Mai 2014 bis Dezember 2014 hatte er sie vermietet und anschließend im Dezember 2014 verkauft.

Das Finanzamt ermittelte einen steuerpflichtigen Veräußerungsgewinn i.H.v. 44.300 €. Es verwies darauf, dass die Wohnung von dem Eigentümer unmittelbar vor dem Verkauf nicht selbst bewohnt, sondern vermietet gewesen sei.

Dies wollte der Steuerpflichtige nicht hinnehmen und zog vor Gericht; beim Finanzgericht Baden-Württemberg erhielt er Recht.

Zwar sei grundsätzlich der Gewinn aus dem Verkauf einer Immobilie einkommensteuerpflichtig, wenn der Erwerb oder die Herstellung nicht mindestens zehn Jahre zurückliege. Ausgenommen von dieser Besteuerung seien allerdings Wohnungen/Häuser, die zuvor vom Eigentümer selbst genutzt worden sind.

Das Gesetz verlange hier „eine Nutzung zu eigenen Wohnzwecken im Jahr der Veräußerung und den beiden vorangegangenen Jahren „. Damit wolle der Gesetzgeber Eigentümer begünstigen, die etwa wegen eines Arbeitsplatzwechsels ihre selbstgenutzte Wohnung verkaufen müssen. Es genüge, so die Richter – somit ein zusammenhängender Zeitraum der Eigennutzung, der sich über drei Kalenderjahre erstrecke. Eine kurzfristige Zwischenvermietung bis zur Veräußerung sei daher steuerlich unerheblich.

Anmerkung:

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Das Finanzamt hat Rechtsmittel beim Bundesfinanzhof eingelegt, wo das Verfahren unter dem Az. IX B 28/19 geführt wird.

Autoren:
Klaus Krohn