RICHARD BOORBERG VERLAG

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12.04.2019

Werbungskostenabzug für Falschgeld

Einkommensteuer

Kann der Bezug von Falschgeld im Rahmen eines beruflich veranlassten Geldwechselgeschäfts bei im Vertrieb auf Provisionsbasis beschäftigten Arbeitnehmern zum Werbungskostenabzug führen?

Arbeitnehmer A erhält für die Vermittlung von Maschinenverkäufen von seinem Arbeitgeber Provisionen. Er fiel auf einen Kaufinteressenten herein, der behauptete, eine internationale Investorengruppe zu vertreten, die als Vorbedingung für den Kauf der Maschinen die Durchführung eines Geldwechselgeschäfts mit 500 EUR-Scheinen verlange, weil die Investorengruppe sich ihres entsprechenden Bestands an 500 EUR-Noten wegen des gerüchteweise insbesondere in Italien bevorstehenden Einzugs solcher Banknoten entledigen wolle. Nachdem die Verkaufsverhandlungen in einen vom Vorgesetzten des A unterschriebenen Vorvertrag gemündet waren, traf sich A ohne Wissen seines Vorgesetzten mit dem Interessenten im europäischen Ausland in einem Hotel. Dort übergab er diesem 250.000 EUR in 200 EUR-Banknoten und erhielt im Gegenzug ebenfalls 250.000 EUR in 500 EUR-Banknoten. Das von A mitgeführte Geld stammte aus dessen privatem Bereich. Zunächst stellte A die Echtheit des erhaltenen Geldes direkt im Zuge der Übergabe im Hotel mithilfe eines Gerätes fest. Später erkannte er jedoch, dass das erhaltene Geld nach der Übergabe – noch im Hotel und von ihm unbemerkt – in offensichtliches Falschgeld ausgewechselt worden war. Das Finanzamt lehnte den von A geltend gemachten Werbungskostenabzug in Höhe von 250.000 EUR ab, weil das Geldwechselgeschäft ohne das Wissen des Arbeitgebers durchgeführt worden und dem eigentlichen Kaufvertrag nur vorgeschaltet gewesen sei. A war dagegen der Ansicht, der von ihm erlittene Verlust aus dem Geldwechselgeschäft sei ausschließlich beruflich veranlasst gewesen; eine private Mitveranlassung habe nicht bestanden. Er habe das Geld in der Erwartung gewechselt, Arbeitslohn in Form einer Verkaufsprovision zu erlangen. Die erforderliche Kausalität zwischen Geldwechselgeschäft und Provision liege damit vor. A bekam beim Hessischen Finanzgericht Recht.

Quelle:
Hessisches FG, Urteil vom 11.3.2019, Az. 9 K 593/18