RICHARD BOORBERG VERLAG

×

21.03.2019

Vater-Sohn-Verhältnis als Näheverhältnis

Einkommensteuer

Einkommensteuer

 

Unterliegen Einnahmen des Sohns des alleinigen Gesellschafter-Geschäftsführers, der zugleich leitender Angestellter der GmbH ist, aus einer stillen GmbH-Beteiligung dem Abgeltungsteuersatz?

Mit Vertrag von 2001 beteiligte sich Sohn S als stiller Gesellschafter an der G-GmbH. Das Stammkapital in Höhe von 150.000 EUR wird von V, dem Vater des S und alleinigen Gesellschafter-Geschäftsführer der G-GmbH, gehalten. Die Beteiligung des S an der G-GmbH betrug 30.000 EUR, was 20 % des Stammkapitals entspricht. S ist zu 20 % am Gewinn und Verlust der Gesellschaft beteiligt, wobei jeweils keine betragsmäßigen Obergrenzen festgelegt sind. Seit demselben Zeitpunkt wie S und zu denselben Bedingungen ist auch der Dritte D an der G-GmbH beteiligt. Letzterer ist wie S leitender Angestellter der G-GmbH. 2002 wurde S Einzelprokura erteilt. In den Jahren 2012 bis 2014 flossen S Einnahmen aufgrund seiner stillen Beteiligung an der GmbH in Höhe von 109.037 EUR im Jahr 2012, in Höhe von 120.985 EUR im Jahr 2013 und in Höhe von 184.709 EUR im Jahr 2014 zu. In den Einkommensteuerbescheiden für 2012 bis 2014 wurden die Einnahmen des S aus dessen stiller Beteiligung dem tariflichen Steuersatz anstatt dem Abgeltungsteuersatz von 25 % unterworfen. S war dagegen der Ansicht, ein lediglich aus der Familienangehörigkeit abgeleitetes Interesse – hier: Vater-Sohn-Verhältnis – begründe ohne Vorliegen besonderer Umstände, aus denen sich eine Beherrschungssituation ergebe, kein Näheverhältnis, es sei denn, dass der beherrschten Person aufgrund eines absoluten Abhängigkeitsverhältnisses im Wesentlichen kein eigener Entscheidungsspielraum verbleibe. Die Einnahmen des S aus seiner stillen Beteiligung seien daher mit dem Abgeltungssteuersatz zu besteuern. S bekam beim Hessischen Finanzgericht Recht.

Quelle:
Hessisches FG, Urteil vom 22.10.2018, Az. 6 K 49/17