RICHARD BOORBERG VERLAG

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13.05.2019

Professur im europäischen Ausland

Einkommensteuer

Können Aufwendungen zur Vermittlung einer nebenberuflichen außerplanmäßigen Professur an einer Universität im europäischen Ausland als Sonderbetriebsausgaben abzugsfähig sein?

Dr. D ist Partner einer fachärztlichen Gemeinschaftspraxis. Er studierte an verschiedenen in- und ausländischen Universitäten Humanmedizin, danach habilitierte er an einer Universität im Inland und wurde zum Privatdozenten ernannt. In dieser Eigenschaft ist Dr. D im Rahmen eines Lehrauftrags nebenberuflich an der medizinischen Fakultät einer Universität im Inland tätig. Im Haupterwerb führt er die fachärztliche Praxis. Mitte 2013 vereinbarte Dr. D mit der G-GmbH einen Wissenschaftsvertrag mit folgendem Zweck: „Auf der Grundlage einer intensiven wissenschaftlichen Beratung wird der Berater mit aktiver Unterstützung des Auftraggebers für ihn eine Professur, Gastprofessur, Honorarprofessur, außerplanmäßige Professur an einer Universität, Hochschule innerhalb der Europäischen Union realisieren.“ Die Vertragsparteien vereinbarten ein Honorar in drei Raten zu je 10.000 EUR, die letzte Rate war nach Abschluss des Ernennungsverfahrens bzw. Übergabe der Urkunde fällig. Die G-GmbH vermittelte Dr. D zum 1.12.2013 eine Gastprofessur an einer Universitätsklinik im Ausland. Am 9.9.2013 stellte die G-GmbH Dr. D 10.000 EUR und am 12.12.2013 weitere 10.000 EUR in Rechnung. Dr. D machte in seiner Einkommensteuererklärung für 2013 Sonderbetriebsausgaben von insgesamt 20.000 EUR geltend. Aufwendungen zur Vermittlung einer nebenberuflichen außerplanmäßigen Professur an einer Universität im europäischen Ausland könnten als Sonderbetriebsausgaben qualifiziert werden, wenn das die Aufwendungen auslösende Moment der betrieblichen Sphäre des Steuerpflichtigen zuzuordnen sei. Dr. D bekam beim Schleswig-Holsteinischen Finanzgericht Recht.

Quelle:
Schleswig-Holsteinisches FG, Urteil vom 6.3.2019, Az. 4 K 48/18