RICHARD BOORBERG VERLAG

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20.03.2019

Gartengrundstück neben Familienheim

Erbschaftsteuer

Steht dem Kind als Erbe die Erbschaftsteuerbefreiung für den Erwerb eines Familienheims auch für ein nicht bebautes Nachbargrundstück zu?

Die 2013 verstorbene Erblasserin E wurde aufgrund gesetzlicher Erbfolge von ihrer Tochter T allein beerbt. Zum Nachlass zählte eine 110 qm große Eigentumswohnung in einem Zweifamilienhaus, in der E bis zu ihrem Tod gewohnt hatte. Das Haus mit der von der E bewohnten Wohnung sowie einer dazu gehörenden Autogarage befand sich auf einem 1.200 qm großen Grundstück, das sich im hälftigen Miteigentum der E befunden hatte. Neben diesem Grundstück befand sich ein weiteres 800 qm großes unbebautes Grundstück, dessen Alleineigentümerin E war. T nutzte die 110 qm große Eigentumswohnung in dem Zweifamilienhaus nach dem Tod der E zu eigenen Wohnzwecken. In ihrer Erbschaftsteuererklärung machte T für den Erwerb des bebauten Grundstücks und des daneben liegenden unbebauten Grundstücks die Steuerbefreiung für ein Familienheim geltend: Auf diesem Grundstück befinde sich ein Garten, der früher von E und jetzt von T genutzt werde. Der Garten werde von der jeweiligen Wohnungsinhaberin gemeinsam mit dem Wohnhaus genutzt und stehe nach der Verkehrsanschauung mit diesem in einem einheitlichen Nutzungs- und Funktionszusammenhang. Bei den beiden Grundstücken handle es sich daher wirtschaftlich um eine Einheit, auf die insgesamt die Steuervergünstigung für ein Familienheim anzuwenden sei. Das Finanzamt legte seiner Steuerfestsetzung dagegen das bebaute Grundvermögen mit einem Wert von 422.341 EUR zu Grunde und gewährte die Steuerbefreiung für ein Familienheim in Höhe von 422.341 EUR. Das daneben liegende unbebaute Grundvermögen wurde vom Finanzamt mit 400.000 EUR ohne Steuerbefreiung für ein Familienheim zu Grunde gelegt. Das Finanzamt bekam beim Finanzgericht München Recht.

Quelle:
FG München, Urteil vom 5.4.2018, Az. 4 K 2568/16