RICHARD BOORBERG VERLAG

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26.04.2019

Einheitliche Erstausbildung

Kindergeld

Stellen ein Bachelor- und ein Masterstudium eine einheitliche Erstausbildung dar, wenn die beabsichtigte Aufnahme des Masterstudiums nicht direkt nach dem Bachelorabschluss angezeigt wird?

Sohn S absolvierte im Fach Maschinenbau „Bachelor of Engineering“ im April 2015 sein Bachelorexamen. Daraufhin hob die Familienkasse die Festsetzung des Kindergelds für S gegenüber dessen Mutter M auf. S schloss am 12.2.2015 bei Firma F einen Dienstvertrag mit einer tariflichen Wochenarbeitszeit von 35 Stunden ab. Nachdem S sein Zeugnis am 26.6.2015 erhielt, bewarb er sich an der Fachhochschule F, um dort einen „Master of Engineering“ zu erhalten. Ende der Bewerbungsfrist für den Studienbeginn am 1.9.2015 war am 15.7.2015. Studienvoraussetzung ist der Abschluss eines technisch orientierten Bachelorstudiengangs mit einer Gesamtnote von mindestens 2,5. Diese Anforderungen erfüllte S. Das Masterstudium hat er im September 2015 begonnen, voraussichtliches Ende war im Herbst 2018. Am 4.7.2017 beantragte M für S rückwirkend ab Mai 2015 Kindergeld. Die Familienkasse lehnte dies jedoch ab: Der Abschluss eines Bachelorstudiums begründe den Abschluss einer Erstausbildung. Der Abschluss eines Masterstudiengangs stelle demgegenüber eine weitere Berufsausbildung dar. Darüber hinaus gehe S einer Erwerbstätigkeit nach, so dass er nicht mehr berücksichtigt werden könne. M war der Ansicht, dass S seit Beginn seiner Ausbildung beabsichtigt habe, das Masterstudium im Fach Maschinenbau abzuschließen. Für den von S beabsichtigten Werdegang sei der Abschluss eines Masterabschlusses unumgänglich. Es sei daher – auch unabhängig von einer sofortigen Anzeige bei der Familienkasse – von einer einheitlichen Ausbildung auszugehen. M bekam beim Finanzgericht Münster Recht.

Quelle:
FG Münster, Urteil vom 22.1.2019, Az. 12 K 3654/17 Kg