RICHARD BOORBERG VERLAG

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20.05.2019

Aufwendungen für einen Therapiehund

Einkommensteuer

Kann eine Lehrerin Aufwendungen für einen Therapiehund, dessen Einsatz durch die Schulkonferenz beschlossen und der damit integrativer Bestandteil des Unterrichts ist, geltend machen?

L ist als Lehrerin an der R-Realschule tätig. Auf der Schulkonferenz am 24.6.2014 wurde der Beschluss gefasst, dass ein Therapiehund zur Umsetzung der tiergeschützten Pädagogik angeschafft werden soll. L schaffte daraufhin am 17.7.2014 die am 29.4.2014 geborene Hündin H zum Preis von 1.600 EUR an. In ihren Einkommensteuererklärungen für 2014 bis 2016 machte L Aufwendungen für H teilweise als Werbungskosten nach dem zeitlichen Anteil der beruflichen Verwendung geltend. Diese setzten sich zusammen aus einer Abschreibung für die Anschaffung des Hundes auf acht Jahre, Aufwendungen für eine Tierhaftpflichtversicherung, Futtermittel, Hundepflege, Tierarzt und den Besuch der Hundeschule sowie die Ausbildung als Therapiehund. Die Aufwendungen beliefen sich im Jahr 2014 auf 871,49 EUR, im Jahr 2015 auf 5.063,71 EUR und im Jahr 2016 auf 7.607 60 EUR. Im Jahr 2015 entfiel von den geltend gemachten Kosten ein Betrag von 1.861,60 EUR auf die Kosten der Ausbildung zum Therapiehund (1.750 EUR) und dafür angefallene Fahrtkosten (111,60 EUR). Im Jahr 2016 fielen für diese Ausbildung 2.220.60 EUR an, wovon 1.908 EUR auf die Ausbildung und 321,60 EUR auf Fahrtkosten entfielen. L war der Ansicht, sie als Lehrerin könne Aufwendungen für einen Therapiehund, dessen Einsatz durch die Schulkonferenz beschlossen und der damit integrativer Bestandteil des Unterrichts ist, in Höhe des zeitlichen Anteils der beruflichen Verwendung des Hundes als Werbungskosten geltend machen. Das Finanzamt lehnte die Berücksichtigung dieser Aufwendungen als Werbungskosten mangels ausreichender Nachweise in den Einkommensteuerbescheiden für 2014 bis 2016 ab. L bekam beim Finanzgericht Münster Recht.

Quelle:
FG Münster, Urteil vom 14.3.2019, Az. 10 K 2852/18 E