RICHARD BOORBERG VERLAG

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25.04.2019

Aufwand für Abtransport von Gerüsten

Einkommensteuer

Kann für den Aufwand, der einem Gerüstbauunternehmen beim Abtransport des auf der jeweiligen Baustelle befindlichen Gerüstmaterials entstehen wird, eine Aufwandsrückstellung gebildet werden?

Unternehmensgegenstand der G-GmbH war u.a. die Ausführung von Gerüstbauten jeder Art. Sie war im Wesentlichen im Spezialgerüstbau bei Großindustrieanlagen tätig. Mit den Betreibern dieser Anlagen schloss die G-GmbH, wenn sie bei Ausschreibungen den Zuschlag bekommen hatte, jeweils Rahmenverträge mit einer Laufzeit von regelmäßig mehreren Jahren, auf deren Grundlage mit den jeweiligen Auftraggebern Einzelverträge über konkret zu erbringende Gerüstbauarbeiten geschlossen wurden. Die Abrechnung der Gerüstarbeiten mit dem jeweiligen Auftraggeber und die gewinnerhöhende Erfassung der Entgelte bei der G-GmbH erfolgte jeweils nach Abwicklung der Einzelaufträge. Um ihre Arbeiten zeitnah ausführen zu können, errichtete die G-GmbH auf dem Gelände der Industrieanlagen eigene Materiallager. Ab 2004 begann die G-GmbH mit der Bilanzierung einer – nach der Laufzeit der Rahmenverträge abgezinsten – Rückstellung für den bei Auslaufen der Rahmenverträge erforderlichen Abtransport des auf der jeweiligen Baustelle befindlichen Materials. Die Bemessung der Rückstellung nahm die G-GmbH in der Weise vor, dass sie zum jeweiligen Bilanzstichtag den auf der Baustelle gelagerten Materialbestand erfasste und – hiervon ausgehend – eine Kalkulation der Personalkosten im Zusammenhang mit der Rückführung des Materials in ihr Zentrallager sowie der Kosten für den Transport vornahm. Das Finanzamt war dagegen der Ansicht, die Bildung einer Rückstellung für die mit der Auflösung von Baustellen verbundenen Aufwendungen sei unzulässig, und bekam beim Finanzgericht Münster Recht.

Quelle:
FG Münster, Urteil vom 5.12.2018, Az. 13 K 2688/15 K