RICHARD BOORBERG VERLAG

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25.03.2019

ARAP für unwesentliche Beträge

Bilanzsteuerrecht

Besteht für unwesentliche Beträge bis zum Grenzbetrag für geringwertige Wirtschaftsgüter keine Pflicht zur Bildung eines aktiven Rechnungsabgrenzungspostens?

H ist Handwerksmeister und erzielte mit seinem als Einzelunternehmen geführten Handwerksbetrieb Einkünfte aus Gewerbebetrieb, die er im Jahr 2014 durch Bestandsvergleich ermittelte. Das Finanzamt erhöhte im Einkommensteuerbescheid für 2014 die Rechnungsabgrenzungsposten und damit den Gewinn aus Gewerbebetrieb um 4.039 EUR. Hierbei handelte es sich um Betriebsausgaben, die H im Jahr 2014 als sofort abzugsfähigen Aufwand verbucht und erklärt hatte, insbesondere für Gelbe Seiten, Das Örtliche, Mitgliedsbeitrag für Creditreform und Kfz-Steuer für mehrere Pkw. H war der Ansicht, dass diese Aufwendungen, die das Finanzamt als aktive Rechnungsabgrenzungsposten erfasst hatte, als sofort abziehbare Betriebsausgaben berücksichtigt werden müssten, weil aktive Rechnungsabgrenzungsposten nach dem Grundsatz der Wesentlichkeit erst ab einem Betrag von 410 EUR zu bilden seien: Auf die Bildung eines aktiven Rechnungsabgrenzungspostens für die Aufwendungen sei verzichtet worden, weil es sich um nicht wesentliche Beträge oder jährlich wiederkehrende Zahlungen handele, die das von der Bilanz und der Ergebnisrechnung vermittelte Bild nicht beeinträchtigten. Die Bildung von Rechnungsabgrenzungsposten diene nämlich dazu, Einnahmen und Ausgaben in dem Jahr auszuweisen, dem sie wirtschaftlich zuzuordnen seien. Indes gebiete der Grundsatz der Wesentlichkeit, unwesentliche Elemente bei der Bilanzierung und Bewertung außer Betracht zu lassen. Das Finanzamt meinte dagegen, nach der gesetzlichen Regelung bestehe für den Ansatz eines aktiven Rechnungsabgrenzungspostens kein Wahlrecht. H bekam beim Finanzgericht Baden-Württemberg Recht.

Quelle:
FG Baden-Württemberg, Urteil vom 2.3.2018, Az. 5 K 548/17