Gustave Flaubert (1821-1880)

studierte 1840-43
Rechtswissenschaften in Paris

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I. Biographie

12. Dezember 1821

Gustave Flaubert wird in Rouen (Frankreich) als Sohn des Chirurgen und späteren Chefarztes des Krankenhauses von Rouen Achille-Cléophas Flaubert und Justine-Caroline Fleuriot geboren. [1]
Gustave ist zunächst ein etwas zurück gebliebenes Kind: nur unter großen Schwierigkeiten lernt er Lesen. Jedoch gelingt es ihm unter dem Druck seiner enttäuschten Eltern diesen Rückstand noch vor Eintritt ins Collège aufzuholen. Dennoch wird Gustave sein Leben lang im Schatten seines erfolgreichen älteren Bruders Achille stehen, der in die Fußstapfen des Vaters treten und Chirurg werden wird. [2]

Februar 1832 – August 1840

Gustave besucht das Collège Royal von Rouen und ist dort ein ganz guter Schüler. [3] Er wird jedoch 1839 wegen Verweigerung einer Strafarbeit von der Schule verwiesen. Dennoch legt er am 23. August 1840 als Externer erfolgreich sein Abitur ab. [4]

1834-1835

Der junge Flaubert verfasst erste Theaterstücke, Dramen und historische Romane und gründet auch eine Schülerzeitung (»Art et Progrès«) deren einzige Mitarbeiter sein Freund Ernest Chevalier und er selbst sind. [5]

1837

Am 12. Februar wird im »Colibri« (einer kleinen in Rouen erscheinenden literarischen Zeitung) zum ersten Mal eine Erzählung Flauberts abgedruckt. Es handelt sich dabei um »Bibliomanie«. [6]

1840

Nachdem der junge Flaubert im August sein Abitur bestanden hat, macht er eine Reise in die Pyrenäen und nach Korsika. [7]

10. November 1841

Flaubert immatrikuliert sich auf Wunsch des Vaters an der juristischen Fakultät in Paris, wohnt jedoch zunächst weiterhin in Rouen. [8]

1842

Als Flaubert durch Losverfahren vom Militärdienst befreit wird zieht er nach Paris. Dort besteht er im Dezember die erste juristische Jahreszwischenprüfung. [9]

1843

Flaubert verkehrt vermehrt im Atelier des Bildhauers Pradier und lernt Victor Hugo kennen. [10] Im August desselben Jahres fällt Flaubert durch die zweite Jahreszwischenprüfung. Grund dafür dürfte sein innerer Widerstand gegen das ihm so verhasste, vom Vater aufgezwungene Jurastudium sein. [11]

1844

Auf einer Kutschfahrt von Pont l'Evèque nach Honfleur erleidet Flaubert einen ersten Nervenanfall. Daraufhin erlaubt ihm die Familie sein Studium aufzugeben und sich ganz seinen Interessen zu widmen. Fortan verbringt er einen Großteil seiner Zeit auf dem Landsitz seiner Familie in Croisset. Die Nervenkrankheit sollte Flaubert sein ganzes Leben begleiten. Heute spekuliert man, dass es sich bei seiner Krankheit um Epilepsie handelte. [12]

1. Mai 1847

Dreimonatige Wanderung mit Maxime du Camp durch die Touraine, die Bretagne und die Normandie. Es entstehen die Reisenotizen »Par les champs et par les grèves«. [13]

Februar 1848

Flaubert reist nach Paris um dort die Februarrevolution mitzuerleben. Am 24. Februar dringt er zusammen mit den Aufständischen in die Tuilerien ein. [14]

29. Oktober 1849 – Juni 1851

Orientreise mit Maxime Du Camp: Ein kleinerer Auftrag des Landwirtschaftsministeriums verschafft den beiden auf ihrer Reise finanzielle Unterstützung. Als Flaubert nach Croisset zukehrt, beginnt er die Arbeiten an dem Roman »Madame Bovary«. [15]

1856/1857

Die »Revue de Paris« veröffentlicht am 1. Oktober 1856 einen Auszug aus »Madame Bovary«. Wegen der detaillierten Schilderung des Ehebruchs der Madame Bovary wird Flaubert und die Revue daraufhin eines Verstoßes gegen die Moral und die Religion angeklagt. [16] Flaubert gelingt es nicht den Prozess abzuwenden, wird jedoch schließlich am 7. Februar 1857 freigesprochen. Noch im April desselben Jahres wird »Madame Bovary« als Buch veröffentlich. [17]

September 1857 – Februar 1862

Flaubert arbeitet fünft Jahre ununterbrochen an dem historischen Roman »Salammbô«, der eine Episode aus den Kämpfen zwischen Rom und Karthago schildert. [18] Als der Roman am 24. November 1862 erscheint, findet das Buch sofort reißenden Absatz. Von nun an verkehrt Flaubert häufiger in Salons berühmter Häuser und in aristokratischer Gesellschaft [19]

15. August 1866

Flaubert wird zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. [20]

17. November 1869

»L'Education sentimentale« erscheint, nachdem Flaubert 26 Jahre (mit zahlreichen Unterbrechungen) daran gearbeitet hat. [21] In diesem Roman zeigt Flaubert – anhand der Biografie des jungen Jurastudenten Frédéric Moreau – die Zerstörung privater Illusionen und politischer Ideale nach dem Scheitern der Revolution von 1848 auf. [22]

6. August 1874

Flaubert beginnt den Roman »Bouvard et Pécuchet« zu schreiben. (Dieser wird jedoch erst 1881 nach seinem Tod unvollendet veröffentlicht). [23] Es handelt sich bei diesem Roman um eine Satire auf menschliche Dummheit, naiven Fortschrittsoptimismus und Spießbürgertum, äußerlich verpackt als Geschichte zweier Kanzleischreiber die unverhofft zu Reichtum gelangen. [24]

1875

Infolge finanzieller Schwierigkeiten muss Flaubert den Bauernhof Deauville verkaufen, den er von seiner Mutter nach deren Tod am 6. Mai 1872 geerbt hatte. Flaubert besitzt keinerlei Einnahmen, da er die Rechte an seinen Werken gegen feste Summen an seine Verleger abgetreten hatte. Deshalb befürchtet Flaubert auch Croisset verkaufen zu müssen. Es gelingt ihm jedoch dies abzuwenden. [25]

1877

»Trois Contes« (Zusammenfassung der Erzählungen »Un Cœur simple«, »Saint Julien l'Hospitalier« und »Hérodias«) erscheint am 24. April 1877 – nach etlichen Vorveröffentlichungen in Zeitungen – als Buch. Da die Erzählungen sehr hohe Anforderungen an den Leser stellen, bleibt der erhoffte Verkaufserfolg trotz positiver Kritiken aus. [26]

April 1880

Zola, Céard, Huysmans, Hennique, Alexis, Maupassant und andere »Naturalisten«, widmen ihrem »Meister« Gustave Flaubert den Sammelband »Soirées de Médan«. [27]

8. Mai 1880

Flaubert stirbt in Croisset an einem Schlaganfall. Die Beisetzung findet auf dem Friedhof in Rouen statt. [28]




II. Zitate

Flaubert's Entschluss zum Jurastudium (1839):
»Ich werde auf alle Fälle Jura studieren, ich werde meine Zulassung als Anwalt erlangen und sogar meinen Doktor machen, um ein Jahr länger bummeln zu können. Es ist sehr wahrscheinlich, dass ich niemals plädieren werde, es sei denn, es handle sich darum, einen sehr berühmten Verbrecher zu verteidigen oder um eine entsetzliche Untat.« [29]

Flaubert als Jurastudent (1842):
»[...] die Rechtswissenschaften bringen mich um, verblöden und lähmen mich, es ist mir unmöglich, dafür zu arbeiten. Wenn ich drei Stunden meine Nase in das Gesetzbuch gesteckt habe, während derer ich nichts begriffen habe, ist es mir unmöglich, noch weiter fortzufahren: ich würde sonst Selbstmord begehen [...]. Am nächsten Tag muss ich mit dem wieder anfangen, was ich am Tag vorher gemacht habe, und in diesem Tempo kommt man kaum vorwärts. Wie ein Schwimmer in starker Strömung mag ich einen noch so kräftigen Stoß machen, die Schnelligkeit der Strömung bringt mich um zwei zurück, so dass ich noch unterhalb meines Ausgangspunkts lande.« [30]

»Das Studium der Rechte verbittert meinen Charakter im höchsten Maße: ich knurre unaufhörlich, wettere, murre und brumme sogar gegen mich selbst und auch wenn ich ganz allein bin. Vorgestern abend hätte ich hundert Francs (die ich nicht besaß) darum gegeben, wenn ich irgend jemand eine Tracht Prügel hätte verabreichen können.« [31]




III. Quiz

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IV. Bibliographie

Haas, Eugen

Flaubert und die Politik
1931, Heidelberg

Haffmans, Gerd (Hrsg.)/Cavigelli, Franz (Hrsg.)

Über Gustave Flaubert
1979, Zürich

Krömer, Wolfram

Flaubert
1980, Darmstadt

Sartre, Jean-Paul

Der Idiot der Familie.
Gustave Flaubert 1821-1857.
5 Bände (Deutsch von Traugott König)
1977-1979 Reinbek

Scheffel, Helmut (Hrsg./Übersetzung)

Gustave Flaubert
Briefe
1977 Zürich




V. Links

@lalettre.com

Gustave Flaubert
http://www.alalettre.com/flaubert-intro.htm (29.01.2001)

Cethegus

2000, Gustave Flaubert; Kurz-Biographie
http://www.geschichte.2me.net/bio/cethegus/f/flaubertg.html (29.01.2001)

Encarta Encyclopedia

2000, Flaubert, Gustave
http://encarta.msn.com/index/...htm?z=1&pg=2&br=1 (29.01.2001)

Encyclopaedia Britannica

2000, Flaubert, Gustave
http://www.britannica.com/bcom/...00.html (29.01.2001)

Guinot, Jb.

Gustave Flaubert (1821-1880)
http://perso.wanadoo.fr/jb.guinot/pages/accueil.html (29.01.2001)

Lacourière, Christian

1999, Gustave Flaubert (1821-1880)
http://le-village.ifrance.com/civilisation/Flaubert.html (29.01.2001)

Pegasos – Literature related resources

2000, Gustave Flaubert (1821-1880)
http://www.kirjasto.sci.fi/flaubert.htm (29.01.2001)

Projekt Gutenberg – DE

Gustave Flaubert
http://www.gutenberg.aol.de/autoren/flaubert.htm (29.01.2001)

Sun, Qian

1999, Poétique et génétique de l'espace Hérodias de Flaubert
http://www.multimania.com/sunqian/sommaire.html (29.01.2001)





Quellennachweis:

[1] Sartre, Jean-Paul, Der Idiot der Familie, Band 1, S. 131ff.

[2] Sartre, Jean-Paul, Der Idiot der Familie, Band 1, S. 366, 376

[3] Haffmans, Gerd (Hrsg.)/ Cavigelli, Franz (Hrsg.), Über Gustave Flaubert, 1979 Zürich, S. 360

[4] Sartre, Jean-Paul, Der Idiot der Familie, Band 3, S. 1164

[5] Haffmans, Gerd (Hrsg.)/Cavigelli, Franz (Hrsg.), Über Gustave Flaubert, 1979 Zürich, S. 362

[6] @lalettre.com, Gustave Flaubert, http://www.alalettre.com/flaubert-bio.htm (29.01.2001)

[7] Scheffel, Helmut (Hrsg./Übersetzung), Gustave Flaubert, Briefe, 1977 Zürich, S. 772

[8] Haffmans, Gerd (Hrsg.)/Cavigelli, Franz (Hrsg.), Über Gustave Flaubert, 1979 Zürich, S. 364

[9] Haffmans, Gerd (Hrsg.)/Cavigelli, Franz (Hrsg.), Über Gustave Flaubert, 1979 Zürich, S. 364

[10] @lalettre.com, Gustave Flaubert, http://www.alalettre.com/flaubert-bio.htm (29.01.2001)

[11] Sartre, Jean-Paul, Der Idiot der Familie, Band 3, S. 1156-1162

[12] Scheffel, Helmut (Hrsg./Übersetzung), Gustave Flaubert, Briefe, 1977 Zürich, S. 772

[13] Encyclopaedia Britannica, 2000, Flaubert, Gustave, http://www.britannica.com/bcom/eb/article/9/...00.html (29.01.2001)

[14] Scheffel, Helmut (Hrsg./Übersetzung), Gustave Flaubert, Briefe, 1977 Zürich, S. 773

[15] Haffmans, Gerd (Hrsg.)/ Cavigelli, Franz (Hrsg.), Über Gustave Flaubert, 1979 Zürich, S. 370

[16] Cethegus, 2000, Gustave Flaubert; Kurz-Biographie, http://www.geschichte.2me.net/bio/cethegus/f/flaubertg.html (29.01.2001)

[17] Haffmans, Gerd (Hrsg.)/Cavigelli, Franz (Hrsg.), Über Gustave Flaubert, 1979 Zürich, S. 374

[18] Cethegus, 2000, Gustave Flaubert; Kurz-Biographie, http://www.geschichte.2me.net/bio/cethegus/f/flaubertg.html (29.01.2001)

[19] Haffmans, Gerd (Hrsg.)/Cavigelli, Franz (Hrsg.), Über Gustave Flaubert, 1979 Zürich, S. 376

[20] @lalettre.com, Gustave Flaubert, http://www.alalettre.com/flaubert-bio.htm (29.01.2001)

[21] Guinot, Jb., Gustave Flaubert : L'Education Sentimentale, http://perso.wanadoo.fr/jb.guinot/pages/oeuvres7.html (29.01.2001)

[22] Amazon, 2001, Kurzbeschreibung, http://www.amazon.de/exec/obidos/.../028-6730456-2689315 (29.01.2001); Brockhaus, Die Enzyklopädie in 24 Bänden, 20. Auflage 1997 Leipzig, 7. Band (EW - FRIS), S. 376

[23] Scheffel, Helmut (Hrsg./Übersetzung), Gustave Flaubert, Briefe, 1977 Zürich, S. 781

[24] Brockhaus, Die Enzyklopädie in 24 Bänden, 20. Auflage 1997 Leipzig, 7. Band (EW - FRIS), S. 376

[25] Scheffel, Helmut (Hrsg./Übersetzung), Gustave Flaubert, Briefe, 1977 Zürich, S. 780 f.

[26] Cethegus, 2000, Gustave Flaubert; Kurz-Biographie, http://www.geschichte.2me.net/bio/cethegus/f/flaubertg.html (29.01.2001)

[27] Scheffel, Helmut (Hrsg./Übersetzung), Gustave Flaubert, Briefe, 1977 Zürich, S. 783

[28] Haffmans, Gerd (Hrsg.)/Cavigelli, Franz (Hrsg.), Über Gustave Flaubert, 1979 Zürich, S. 382

[29] Scheffel, Helmut (Hrsg./Übersetzung), Gustave Flaubert, Briefe, 1977 Zürich, S. 20

[30] Scheffel, Helmut (Hrsg./Übersetzung), Gustave Flaubert, Briefe, 1977 Zürich, S. 33 f.

[31] Scheffel, Helmut (Hrsg./Übersetzung), Gustave Flaubert, Briefe, 1977 Zürich, S. 37


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