Giacomo Casanova (1725-1798)

1734-1739 Studium der Rechts-
wissenschaften in Padua

1742 Promotion zum Doktor der Rechte

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I. Biographie

2. April 1725

Giacomo Girolamo Casanova wird in Venedig als Sohn eines Schauspielerehepaares geboren. Seine Großmutter Marzia kümmert sich viel ihn, da sich seine Eltern ab 1726 für zweieinhalb Jahre auf Tournee in London befinden. [1] Der kleine Giacomo leidet in seiner Kindheit an ständigem starkem Nasenbluten und man glaubt schon, er würde nicht lange leben. Nach seiner Genesung, die man einer Wunderheilerin zuschreibt, interessiert er sich später ebenso für Medizin wie für Wunderheilerei. [2]

2. April 1725

Sein Vater stirbt an einer eitrigen Mittelohrentzündung infolge falscher Behandlung. Der Knabe wächst nun ausschließlich bei der Großmutter auf. [3]

Ab November 1737

Giacomo – jetzt 12 Jahre alt – beginnt sein Studium »beider Rechte« (nämlich weltliches und kirchliches Recht) an der Universität Padua. Da zu jener Zeit das Bildungssystem keine höheren Schulen vorsieht, vermitteln die Universitäten in den ersten Semestern das Allgemeinwissen. Nach vierjährigem Studium legt man dann die Abschlussprüfung – die sog. »laurea« – ab. Vergleiche mit modernen Bildungssystemen sind nur sehr begrenzt möglich. [4]
Casanova hätte lieber Medizin oder Chemie studiert; statt dessen muß er sich vor allem mit dem Kirchenrecht befassen: Damals war es üblich, daß sich vermögenslose Gebildete dem geistlichen Stande zuwandten. Nach dieser Vorstellung soll der junge Giacomo geistlicher Anwalt werden. Den Beruf des Anwalts übt er aber niemals aus; vielmehr eignet er sich umfangreiche medizinische Kenntnisse an. Die Details, die er über den Stand der Medizin im 18. Jahrhundert in seinen Schriften hinterläßt, regte international Ärzte zu Diskussionen an. [5]

Oktober 1739

Wegen Geldmangel kehrt Casanova nach Venedig zu seiner Großmutter zurück, von wo aus er seine Studien fortsetzt.

14. Februar 1740

Im Rahmen seiner geistlich geprägten Laufbahn wird er Abbé und erhält schließlich im Januar 1741 die vier niederen Weihen. Nach drei Jahren gibt er die geistliche Laufbahn wieder auf. [6]

Juni 1742

Casanova kehrt nach Padua zurück um zum Doktor utriusque iuris zu promovieren. Seine Doktorarbeit im Zivilrecht hat das Thema »De testamentis« und im Kirchenrecht das Thema »Utrum hebrei possint construere novas Synagogas« (übersetzt: Ob die Juden neue Synagogen bauen können) zum Gegenstand. [7]

Juni 1744 – März 1745

Casanova tritt in Rom in die Dienste des Kardinal Acquaviva. Im Rahmen dieser Tätigkeit empfängt ihn auch mehrmals Papst Benedikt XIV. [8]

1745 – 1746

In Bologna läßt sich Casanova eine Phantasie-Uniform schneidern und kauft in Venedig, wie damals üblich, ein Leutnantspatent. Daraufhin wird er als Fähnrich mit dem Versprechen baldiger Beförderung dem venezianischen Regiment Bala in Korfu zugeteilt. Als er nicht wie versprochen befördert wird, gibt er die soldatische Laufbahn auf, verkauft das Leutnantspatent und schlägt sich zunächst als Geiger an einem Theater durch. [9]

1746 – 1749

Casanova kann sich zwar zu einer juristischen Laufbahn nicht entschließen, praktiziert dennoch mehrfach in den Kanzleien des Notar Manzoni und des Notar Marco Leze. Diese Tätigkeit füllt ihn nie vollkommen aus, sodaß ihm genug Zeit verbleibt sich dem Glücksspiel zu widmen. [10]

1753

In Venedig hat er eine Affäre mit »C.C.« und »M.M.«, zweier Nonnen des Klosters Santa Maria degli Angeli. [11]

25. Juli 1755

Casanova wird verhaftet und in die venezianischen Bleikammern verbracht. Der offizielle Grund ist ein von Casanova vorgetragenes, religiös zu leichtfertiges Gedicht. Desweiteren war seine Affäre mit »C.C.« und »M.M.« bei einigen Inquisitoren bekannt geworden. Weder fand eine Gerichtsverhandlung statt, noch hatte man Casanova den Grund oder die Dauer seiner Einkerkerung mitgeteilt. [12]

1. November 1756

Casanova glückt die Flucht aus den Bleikammern, einem der damals sichersten Gefängnisse der Welt. [13]

1757

Casanova wird zum Direktor der französischen Lotterie ernannt. [14]
Ende August bis Mitte September fährt er in geheimer Mission nach Dünkirchen, um die dort stationierte Flotte auszukundschaften. [15]

Ab 1758

Casanova bereist zweimal Holland in geheimer französischer Finanzmission. [16]

1759

Er adelt sich selbst, indem er sich fortan »Chevalier de Seingalt« nennt.

1760

Papst Clemens XIII. schlägt ihn zum Ritter des Goldenen Sporns und ernennt ihn gleichzeitig zum Apostolischen Protonotar extra urbem. [17]

Ab 1764

Auf seinen zahlreichen Reisen gewährt ihm Friedrich der Große in Berlin und Katharina die Große in Petersburg Audienz. [18]

1776

Casanova arbeitet als Geheimagent der Inquisation und wird von 1780-81 sogar fest besoldet. [19]

1784

Arbeit als Sekretär des venezianischen Botschafters Foscarini. Als dieser am 23.4.1785 verstirbt, tritt er als Bibliothekar in die Dienste des Grafen Waldstein in Dux. Dort verfasst er ab 1790 seine Memoiren (»Histoire de ma vie« – 15 Bände in französischer Sprache), welche erst 1821 in Auszügen veröffentlicht werden sollten. [20] Seine Memoiren haben einen hohen kulturhistorischen Wert, da sie der Nachwelt einen Einblick ins 18. Jahrhundert verschaffen, fanden jedoch nur wegen der darin geschilderten erotischen Abenteuer einen großen Leserkreis. [21]

1798

Casanova erkrankt an einem schweren Blasenleiden und verstirbt schließlich am 4. Juni 1798 in Dux. Dort wurde er auf dem Friedhof St. Barbera begraben. Die Stelle an der sich sein Grab befindet, ist heute nicht mehr bekannt. [22]




II. Zitate

»Man wünschte, dass ich mich weiterhin der Rechtswissenschaft widmen solle, gegen die ich eine unüberwindliche Abneigung empfand. [...] Wäre man vernünftig gewesen, so hätte man mir den Willen gelassen, und ich wäre Arzt geworden, wo mit Scharlatanerie noch mehr zu erreichen ist als im Advokatenstand.« [23]

»Das Prozessieren bringt mehr Familien an den Bettelstab, als es ernährt; und die Menschen, die von Ärzten umgebracht werden, sind viel zahlreicher als diejenigen, die genesen. Notwendiger Schluß ist also, dass die Welt weit weniger unglücklich wäre ohne diesen beiden Sippschaften.« [24]




III. Quiz

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IV. Bibliographie

Casanova, Giacomo

Histoire de ma vie.
Éditon intégrale.
(12 Bände, französischer Originaltext)
F. A. Brockhaus
Paris 1960-62

Casanova, Giacomo

Mein Leben
(Aus dem Französischen übersetzt von Heinz von Sauter.)
Hrsg.: Burkhard Brunn
2. Auflage 1998 Berlin

Childs, J. Rives

Casanova.
Die große Biographie.
München 1977

ders.

Giacomo Casanova de Seingalt
Reinbek bei Hamburg 1990

Marceau, Félicien

Casanova.
Sein Leben, seine Abenteuer.
Düsseldorf 1985

Sauter, Heinz von

Der wirkliche Casanova
Stuttgart 1987




V. Links

Beck, Ulrike

2. April 1725 - Giacomo Casanova wird geboren
http://www.br-online.de/bayern3/magazin/specials/
zeitmaschine/buntes8.html
(16.09.2000)

Cethegus

Giacomo Girolamo Casanova. Kurz-Biographie.
http://www.weltchronik.de/bio/cethegus/c/casanova.html (16.09.2000)

Emery, Ted

2000, Casanova Research Page,
http://www.dickinson.edu/~emery/Casanova.htm (16.09.2000)

Eurotoques

2000, Eurotoques-Feiertag am 2. April. Giacomo Casanova (1725-1798)
http://www.eurotoques.de/homepage/feiertage/cas.htm (16.09.2000)

Friedberg, John M. (Übersetzung aus dem Französischen)

1998, History of My Escape from the Prisons of the Republic of Venice Called »the Leads«.
http://www.idiom.com/~drjohn/intro.html (16.09.2000)

Günther, Pablo u.a. (Hrsg.)

2000, Casanova Magazin
http://www.giacomo-casanova.de/home.htm (16.09.2000)

Hille, Gunter (Hrsg.)

Giacomo Casanova,
http://gutenberg.aol.de/autoren/casanova.htm (16.09.2000)

Iverson, Jack (Voltaire Society of America)

1999, Story of My Life: Volume VI, Chapter 10
http://humanities.uchicago.edu/homes/VSA/Casanova.html (16.09.2000)

Tappert, Birgit

1999, Legendärer Frauenheld – vielseitig interessierter Gelehrter. Symposium zu Giacomo Casanova korrigierte Klischees.
http://aix3.verwaltung.uni-bonn.de/presse/bun/bun213/b015.htm (16.09.2000)

Welty, Ute

2000, Lebe-Mann - das Geheimnis des Giacomo Casanova,
http://www.swr-online.de/zeitraeume/archiv/000530.html (16.09.2000)





Quellennachweis:

[1] Childs, J. Rives, Casanova, München 1977, S. 20

[2] Sauter, Heinz von, Der wirkliche Casanova, Stuttgart 1987, S. 38 f.

[3] Childs, J. Rives, Casanova, München 1977, S. 321; Sauter, Heinz von, Der wirkliche Casanova, Stuttgart 1987, S. 39

[4] Casanova, Giacomo, Mein Leben, (Aus dem Französischen übersetzt von Heinz von Sauter) 2. Auflage 1998 Berlin, Anmerkung S. 579 Fn. 5

[5] Childs, J. Rives, Casanova, München 1977, S. 24 f.

[6] Marceau, Félicien, Casanova. Sein Leben, seine Abenteuer. Düsseldorf 1985, S. 45; Childs, J. Rives, Casanova, München 1977, S. 25

[7] Casanova, Giacomo, Mein Leben, (Aus dem Französischen übersetzt von Heinz von Sauter) 2. Auflage 1998 Berlin, S. 20

[8] Marceau, Félicien, Casanova. Sein Leben, seine Abenteuer. Düsseldorf 1985, S. 66, 68

[9] Sauter, Heinz von, Der wirkliche Casanova, Stuttgart 1987, S. 58, 64 f.

[10] Childs, J. Rives, Giacomo Casanova de Seingalt, Reinbek bei Hamburg 1990, S. 32; Sauter, Heinz von, Der wirkliche Casanova, Stuttgart 1987, S. 65

[11] Childs, J. Rives, Giacomo Casanova de Seingalt, Reinbek bei Hamburg 1990, S. 41

[12] Childs, J. Rives, Giacomo Casanova de Seingalt, Reinbek bei Hamburg 1990, S. 43 f.

[13] Childs, J. Rives, Giacomo Casanova de Seingalt, Reinbek bei Hamburg 1990, S. 45 ff.

[14] Childs, J. Rives, Giacomo Casanova de Seingalt, Reinbek bei Hamburg 1990, S. 167

[15] Sauter, Heinz von, Der wirkliche Casanova, Stuttgart 1987, S. 112 f.

[16] Childs, J. Rives, Giacomo Casanova de Seingalt, Reinbek bei Hamburg 1990, S. 167

[17] Marceau, Félicien, Casanova. Sein Leben, seine Abenteuer. Düsseldorf 1985, S. 216

[18] Childs, J. Rives, Casanova, München 1977, S. 323

[19] Childs, J. Rives, Casanova, München 1977, S. 324

[20] Brockhaus, Die Enzyklopädie in 24 Bänden, 20. Auflage 1997 Leipzig, 4. Band (BRON – CRN), S. 335

[21] Meyers Enzyklopädisches Lexikon in 25 Bänden, 9. Auflage 1972 Mannheim, Band 5: Bud – Con, S. 362

[22] Childs, J. Rives, Giacomo Casanova de Seingalt, Reinbek bei Hamburg 1990, S. 165

[23] Casanova, Giacomo, Mein Leben, (Aus dem Französischen übersetzt von Heinz von Sauter) 2. Auflage 1998 Berlin, S. 21

[24] Casanova, Giacomo, Mein Leben, (Aus dem Französischen übersetzt von Heinz von Sauter) 2. Auflage 1998 Berlin, S. 21


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